Diagnostik-Förder-Kreislauf – kurz und praxisnah
Der Diagnostik-Förder-Kreislauf (siehe Abbildung) hilft Lehrpersonen, Schüler:innen mit Mathematikschwierigkeiten gezielt zu unterstützen.

1. Diagnostik: Problem erkennen
- Bio-psycho-soziale Ausgangslage klären (Wie ist die Lernsituation des Kindes? Gibt es schulische, soziale oder familiäre Faktoren, die das Lernen beeinflussen?)
- Fragestellung formulieren (z. B.: Hat das Kind das Bündelungsprinzip nicht verstanden?)
- Methoden auswählen und anwenden (Beobachtungen, Tests, Gespräche)
- Beantwortung und Ergebnisse interpretieren (z. B.: Das Kind versteht das Bündelungsprinzip nicht.)
2. Förderung: Massnahmen planen
- Schwerpunkte setzen (nicht alles auf einmal!)
- Ziele definieren (z. B.: Das Kind kann bündeln und entbündeln.)
- Massnahmen ableiten (z. B.: Material anpassen, Tempo reduzieren)
- Umsetzen und evaluieren (Hat es gewirkt? Falls nicht, Kreislauf wiederholen.)
Diagnostik-Methoden im Überblick
Es gibt zwei Arten von Diagnostik, die hier kurz zusammengefasst vorgestellt werden:
Quantitativ
Standardisierte Tests (z. B. MKT, BASIS-MATH) zeigen, wo das Problem liegt. Sie zeigen jedoch nicht, warum es auftritt.
Vorteile:
zeitschonend durchführbar, für ganze Klassen geeignet
Nachteile:
Oberflächlich, keine Ursachenanalyse
Qualitativ
Diagnostische Interviews oder Beobachtungen zeigen Denkprozesse und Fehlerursachen.
Vorteile:
Tiefgehende Einblicke
Nachteile:
Zeitintensiv, braucht 1:1-Situationen
Tipp: Kombinieren Sie beide Methoden für ein vollständiges Bild.
Für Sie als Lehrperson
Der Kreislauf ist ein praktisches Werkzeug für den Alltag. Nutzen Sie ihn, um gezielt zu handeln – sei es durch Anpassungen im Unterricht oder individuelle Förderung. Die Abbildung hilft Ihnen, die Schritte im Blick zu behalten.
Literatur
- Tönnissen, L., Link, P.-C., Hengartner, O., & Hagmann-von Arx, P. (2024). Der Diagnostik-Förder-Kreislauf in der Heil- und Sonderpädagogik – Illustration des förderdiagnostischen Prozesses am Beispiel einer internalisierenden Verhaltensproblematik. Zeitschrift für Heilpädagogik, 75(7), 303–311.