Zahlverständnis

Zahlbegriffserwerb

Entwicklungsmodell der Zahl-Grössenverknüpfung
Abbildung Entwicklungsmodell der Zahl-Grössenverknüpfung. (Krajewski, 2013)

Das Entwicklungsmodell der Zahl-Mengen-Verknüpfung von Krajewski (2013)[1] zeigt, dass ein Kind für den Aufbau von tragfähigen Zahlvorstellungen in jedem Zahlenraum die folgenden drei Ebenen durchlaufen muss.[2]

Ebene 1: Basisfertigkeiten

Zahlen erkennen, zählen (vor- und rückwärts zählen als exakte Zahlenfolge), Nachbarzahlen kennen, Zahlwörter ohne Bezug zur Grösse

Ebene 2: Einfaches Zahlverständnis

Verknüpfung von Mengen mit Zahlwörtern, grobe, unpräzise Zahlwörter-Mengenzuordnung, unterscheiden von «mehr» oder «weniger», Mengen lassen sich durch Hinzufügen oder Wegnehmen von Elementen verändern, Aufbau des Kardinalzahlaspekts

Ebene 3: Tiefes Zahlenverständnis

Unterschied zwischen Mengen wird mit Zahlen angeben, Beziehung der Zahlen untereinander erkennen und beschreiben, Fähigkeit zum Darstellungswechsel, Zerlegung von Zahlen (Teil-Ganzes-Verständnis)

Zahlaspekte

Um den Zahlbegriff vollständig zu erfassen, sollten verschiedene Aspekte von Zahlen aufgegriffen und vertieft werden.[3]

Grundvorstellungen von Zahlen
Abb. 2. Grundvorstellungen von Zahlen.

Zählkompetenzen

In den Zählprozessen spielen die folgenden Zählprinzipien eine zentrale Rolle, die die Kinder verinnerlichen müssen:[4]

Zählprinzipien
Abb. 3. Zählprinzipien.

Bedeutung für den Unterricht

Zählen wird oft nur in den ersten Schuljahren geübt. Von Schülerinnen und Schüler in höheren Klassen wird angenommen, dass sie zählen können. Dem ist aber häufig nicht so. Bei jeder Zahlenraumerweiterung ist darauf zu achten, dass ausreichend Zählübungen gemacht werden. Dabei sollen die neuen mit den bekannten Zahlenräumen vernetzt werden, um insbesondere die Analogiebildung zu fördern (8, 9, 10 → 208, 209, 210; 88, 89, 90 → 188, 189, 190; 98, 99, 100 → 498, 499, 500).

Bezogen auf den Basisstoff der dritten Klasse sind Zählaufgaben im Tausenderraum besonders wichtig. Dabei ist nicht nur auf Fehler bei den Hunderterübungen zu achten (599, 601), sondern auch darauf, ob Zehnerübergänge mit Hunderterübergängen vermischt werden, z. B. 189, 200 oder 209, 300.

Da das Rückwärtszählen im Alltag eher selten vorkommt, ist es wichtig, dass im Unterricht ausreichend Angebote dazu gemacht werden. Zur Förderung des Zählens in Schritten können auch Aufgaben aus den Karteien «Blitzrechnen 2» und «Blitzrechnen 3» bzw. aus dem digitalen Material «Blitzrechnen 2» und «Blitzrechnen 3» auf meinklett.ch eingesetzt werden.[5]

Literatur

  • Deutsches Zentrum für Lehrkräftebildung Mathematik (o. J.). Zahlvorstellung erwerben. Primakom. Verfügbar unter: https://primakom.dzlm.de/inhalte/zahlen-und-operationen/zahlvorstellung-erwerben/hintergrund (Zugriff: 24.12.2025)
  • Link, M., & Kuratli Geeler, S. (2024). Heilpädagogischer Kommentar zum Schweizer Zahlenbuch 4. Klett und Balmer Verlag.
  • Schneider, W., Küspert, P., & Krajewski, K. (2016). Die Entwicklung mathematischer Kompetenzen (2., aktualisierte und erweiterte Auflage). Paderborn: Ferdinand Schöningh.

Fussnoten

  1. 1Vgl. https://journal.ph-noe.ac.at/index.php/resource/article/view/875/830 (22.12.2025)
  2. 2Vgl. Schneider, W., Küspert, P., & Krajewski, K., 2016.
  3. 3Vgl. https://primakom.dzlm.de/inhalte/zahlen-und-operationen/zahlvorstellung-erwerben/hintergrund (24.12.2025)
  4. 4Vgl. https://primakom.dzlm.de/inhalte/zahlen-und-operationen/zahlvorstellung-erwerben/hintergrund (24.12.2025)
  5. 5Vgl. Heilpädagogischer Kommentar 4, S. 18.